Kryokoagulation

Da ich inzwischen schon mehrmals gefragt wurde, was eigentlich an meinem Auge gemacht wurde und da ich selbst vor der Operation kaum Informationen bekommen habe, möchte ich hier einen Artikel über meine Augen-OP von letzter Woche schreiben. Entgegen meines Prinzips wird dieser Beitrag auf deutsch sein, da er doch das eine oder andere Fremdwort enthalten wird, das vermutlich zwar im Englischen genau so oder ähnlich heißt, aber alles nachzuschlagen wäre im Moment doch zu aufwendig.

Zur Vorgeschichte:
Erblich bedingt bin ich ziemlich kurzsichtig und trage seit meinem 19. Lebensjahr Kontaktlinsen. Bei einer Routinekontrolle der Netzhaut wurde Anfang Oktober ein kleines beginnendes Loch in der Netzhaut des rechten Auges entdeckt. Das kommt durch den enormen Zug, der auf das kurzsichtige, langgezogene Auge wirkt. Ich selbst habe das Loch nicht bemerkt, weder habe ich Blitze noch Mückenschwärme gesehen.

Ein solcher Defekt muss möglichst schnell behoben werden, damit kein Wasser ins Auge eindringt und so zu einer Ablösung der Netzhaut führt. es gibt zwei gängige Verfahren dabei: die Lichtkoagulation (Bestrahlung mit Laserlicht) und die Kryokoagulation (Kälteanwendung). Nein, ich konnte mir das Verfahren nicht aussuchen. Das Loch lag wohl so seitlich, dass die Laserbestrahlung nicht in Frage kam und ich gleich in der Augenklinik Bellevue zur Kryokoagulation angemeldet wurde.

Zwei Wochen später war es dann so weit: Morgens um 10 Uhr sollte ich mich in der Klinik melden. Das Aufnahmegespärch machte Schwester M. Und schon gleich der erste Schock: SIe fragte mich mehrmals, ob ich wirklich gleich nach der Operation nach Hause gehen wolle, da die meisten Patienten wegen der Schmerzen über Nacht blieben. Das machte mir nicht gerade Mut – Schmerzen im Auge, diese Vorstellung war / und ist gruselig.

MIt verschiedenen Tropfen wurde meine Pupille weit getropft. Außerdem gab es noch eine kurze Untersuchung, ehe ich gegen 11 Uhr in den Ruheraum geleitet wurde. Ich solle mich ausziehen und das OP-Hemd anziehen (eine Art Bademantel), da es nun nicht mehr lange dauern würde, meinte die Schwester. Aber „nicht mehr lange“ ist ein dehnbarer Begriff. Nach fast einer Stunde Warten kam die nächste Patientin, die 89jährige Frau S. NUn konnte ich mich immerhin etwas unterhalten, denn es gab in dem Ruheraum keinen Fernseher, kein Radio, nicht einmal ein Bild an der Wand. Frau S. war schon zu ihrer neunten Augen-OP da. Sie fand es toll, dass man solche Augen-OPs heute machen kann. Da hat sie sicher recht, aber beruhigt hat mich das nicht wirklich. Wenig später kamen noch Frau K. und Frau J., beide ebenfalls im Seniorenalter. Da wurden dann die Krankengeschichten ausgetauscht, dann warteten wir zu viert. Es geschah lange nichts. Die einzige Abwechslung war die Klingel, die sich scheinbar von Geisterhand anstellte und die Schwester herbei rief.

Gegen 13:30 Uhr wurde dann Frau S. in den OP geholt. Bei Frau K. und Frau J. sank der Blutzuckerspiegel stark ab, so dass auch sie vor mir operiert wurden. Als ich es nach dreieinhalb Stunden wagte, die Schwester zu fragen, ob ich denn an dem Tag noch drankäme, bekam ich nur die patzige Antwort, da solle ich mich bei der Operateurin beschweren. Ich wollte mich ja gar nicht beschweren. So saß ich dann, erschöpft vom Warten und von der Anspannung, was wohl auf mich zu kommt im Ruheraum.

Dann ging es Schlag auf Schlag: Die Operateurin kam aus dem OP und sah mein Auge an, dann wurde ich in den OP geholt. Ich durfte während der OP sogar Musik über meine iPod hören. Vor der Operation wurde ich kurz in einen zweiminütigen Tiefschlaf versetzt, so dass ich nicht einmal merkte, wie die lokale Betäubung am Auge gesetzt wurde.
Was dann genau gemacht wurde, war ungefähr das Folgende:
Eine ca. -70 °C kalte Sonde wurde unter lokaler Betäubung an das Auge gehalten. Bindehaut und Hornhaut tragen keinen Schaden, die Netzhaut hingegen wird genau wie bei der Laserkoagulation verödet (Kältebedingte Zellnekrose) und bildet Narben an den gewünschten Stellen. Die Ergebnisse sind fast dieselben wie bei der Laserkoagulation, jedoch ist das Verfahren aufwändiger und nicht so gut zu dosieren wie die LK.

Ich bekam wenig davon mit: Erst strahlte grell-helles Licht in mein Auge, dann wurde es schwarz und schließlich mit einem Verband schnell verklebt.

Nach 30 Minuten war ich wieder im Ruheraum, sollte mich anziehen und zum Mittagessen in die Kantine gehen. Naja, nach Kasseler war mir eigentlich nicht, ich saß aber trotzdem etwas, damit mein Kreislauf nicht komplett versackte.

Eine Stunde nach der Operation konnte ich mit einem Taxis nach Hause fahren. Am nächsten Morgen (früh um 7:30 Uhr) sollte ich aber zur kontrollierenden Visite wieder da sein. Außerdem sollte ich mich schonen, nicht schwer heben und drei Tage lang nichts lesen – das war wirklich das Schwerste für mich!

Schmerzen hatte ich nur am Abend nach der OP ein wenig (eine leichte Schmerztablette bescherte mir eine ruhige Nacht).

Sowohl die Nachkontrolle in der Augenklinik als auch drei Tage später die Kontrolle durch die Augenärztin waren gut. Der Verband kam am Morgen nach der OP wieder ab, seitdem kann ich auch wieder mit beiden Augen sehen. Meine Sehfähigkeit wurde also nur durch den Verband eingeschränkt. Jetzt muss ich noch eine antibiotische Salbe nehmen, damit sich im Auge nichts entzünden kann und alles gut abheilt.
Inzwischen ist das Auge fast wieder komplett abgeschwollen und in den nächsten Tagen werde ich meine Contactlinsen wieder tragen können (YEAH!).

Auch wenn alles gut verlaufen ist, so bald brauche ich eine solche OP nicht wieder!

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Über msgoingtomoon

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2 Antworten zu Kryokoagulation

  1. Jasmin schreibt:

    Oh, das freut mich zu lesen, dass alles gut verlaufen ist und Du auf dem Weg der Besserung bist! Sicher: sowas wünscht man sich nicht nochmal, aber es ist dann doch alles gar nicht so schlimm gewesen, oder?!
    Ich freu‘ mich für Dich! Und nächste Woche setze ich mich dann auch gleich ganz schnell an Eure Fotos.

  2. Moritz schreibt:

    Danke für den Bericht. Ich freue mich, dass die OP gut verlaufen ist.

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