Alles dreht sich

Neulich durfte ich mal wieder eine Buchrezension für die Bibliophilin schreiben und nachdem mein Text dort schon vor ein paar Tagen veröffentlich wurde, möchte ich ihn Euch auch hier noch einmal vorstellen.

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Alles dreht sich
von Rosemarie Eichinger
Chicken-House im Carlsen-Verlag
ISBN 978-3-551-52049-4
200 Seiten
13,99 Euro

Wer hat sich nicht schon einmal mit den wichtigen Themen des Lebens beschäftigt? Wer nicht schon einmal über Tod und Sterben nachgedacht und überlegt, was er bis zum Tod noch erledigen möchte? Meine Schüler müssen in dem einen Kurs, den ich betreue, immer wieder über diese Frage nachdenken: Was wollen sie erreichen, ehe sie sterben?

Genau das ist auch eine der zentralen Frage in dem Jugendbuch „Alles dreht sich“ von Rosemarie Eichinger. Dabei ist nur das Leben der einen Protagonistin – Linda – durch die Diagnose Gehirnturmor bedroht. Bereits unmittelbar nach dieser niederschmetternden Diagnose lernt Linda noch im Krankenhaus Max kennen, der zwra nicht krebskrank, aber psychisch labil und bei der Psychologin in Behandlung ist. Einer seiner Ticks ist es, sich immer wieder die Haare auszureißen.
Max und Linda fragen sich nun, was von ihnen übrig bleibt, wenn sie einmal gestorben sind. Sie beginnen eine Liste zu schreiben mit Dingen, die sie vor ihrem Tod noch tun wollen.

Nun mutet diese Liste, von der der Leser nur Bruchstücke erfährt, etwas merkwürdig an: Punkt 1 lautet „Jeden Tag ausgiebig schimpfen und fluchen“. Ich habe mich sofort gefragt, ob DAS wirklich etwas wäre, das ein Jugendlicher mit 15 Jahren vor seinem Tod unbedingt tun wollte. Ich hätte das mit Sicherheit nicht auf meine Liste gesetzt.
Ein weiterer Punkt ist „Haare blau färben“. Damit beginnen die beiden dann auch in der Umsetzung. Das ist der Anfang von dem Plan „ein Zeichen zu setzen“.

Die dritte im Bunde ist Pia, Lindas beste Freundin. Sie erscheint erst im Laufe des Buches und benimmt sich zumindest am Anfang so, wie der Leser es erwartet. Sie erfährt, dass die beste Freundin einen Gehirntumor hat und nicht mehr lange zu leben hat. Pia kann zunächst – verständlicherweise – nicht mit dieser Information umgehen und wundert sich ebenfalls über das Verhalten von Max und Linda. Dabei wird Max als der „Böse“ dargestellt, der Linda eigentlich nur zu diesem „Blödsinn“ anstiftet. Dennoch ist auch Pia schon bald aktiver Teil der Gruppe und setzt ebenfalls „Zeichen“.

In verschiedenen Aktionen hängen die drei aussortierte Kleidungsstücke in ihrer Stadt auf. Dazu befestigen sie Schilder, auf denen beispielsweise steht „Ich bin das 13. T-Shirt im Schrank. Meine Näherin ist zehn Jahre alt und verdient weniger als 50 Cent pro Tag. Schluss mit Ausbeutung und Sklaverei!“ (S. 129).
Ich muss ehrlich zugeben, auch wenn diese Aktion im Buch viele Nachahmer gefunden hat, hat sie mich nicht wirklich überzeugt. Ja, möglicherweise würden die Jugendlichen heute solche Aktionen planen und durchführen, aber bringt das wirklich so viel? Was wäre gewesen, wenn diese Aktion keine Nachahmer gefunden hätte? Wäre sie nicht einfach im Sande verlaufen?
Im Hintergrund verschwindet dagegen Lindas Krankheit, die erst auf den letzten Seiten noch einmal kurz thematisierr wird.

Damit wurden meine Leseerwartungen nicht erfüllt, hatte ich doch ein Buch erwartet, in dem Jugendliche zeigen, wie sie sich bei einer so lebensbedrohenden Diagnose verhalten. Die im Buch präsentierte Lösung erschien mir eher unrealistisch.

Gewöhnungsbedürftig fand ich auch die Sprache mit den kurzen, abgehackten Sätzen, die teilweise auch unvollständig sind. Der gesamte Roman mutet an wie eine überdimensionale Email. Es wird ein ernstes Thema angesprochen, doch die Verarbeitung dieses Themas erscheint doch sehr oberflächlich und wenig tiefgehend.
Interessant ist der Perspektivenwechsel: jedes Kapitel wird abwechselnd aus der Sicht einer der drei Protagonisten als Ich-Erzähler geschrieben und manchmal muss der Leser erst ein paar Zeilen lesen, ehe er weiß, aus wessen Sicht erzählt wird.

Abschließend kann ich nicht sagen, ob und wenn ja, wem ich die Lektüre dieses Buches empfehlen würde. Ich denke, dass ich dieses Buch wohl als Teenager gelesen hätte, aber gegen die starken Bücher einer J. K. Rowling oder einer C. Funke dürfte dieses Buch keine Chance haben.

Herzlichst, Eure
Ms_GointoMoon

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Über msgoingtomoon

I am: -> Mother of two kids (Mr Moon-Junior and Miss Venus) -> married to Mr Moon -> mainly a single mother, because Mr Moon is working in Munich at the moment -> a teacher -> working in home office or at school -> interested in music, sports, books and arts -> singing in a choir -> not always patient -> able to shout and to whisper -> ....? Just ask at http://www.formspring.me/msgoingtomoon
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